Interkulturelle Kommunikation und Kompetenz in Kitas

„Senke den Blick, wenn Du mit Deinem Vater (als Respektsperson) sprichst - „aber meine Erzieherin sagt, ich soll sie (ebenfalls Respektsperson) ansehen, wenn ich mit ihr rede“.

 Bereits im Alter von 10 Jahren haben Kinder eine feste Vorstellung davon, was „gut“, „richtig“, „höflich“ und „angemessen“ ist – gelernt haben Sie dieses Verhalten in ihrem privaten Umfeld. Die Bürgerstiftung Braunschweig hat deshalb ein einzigartiges Projekt ins Leben gerufen: die interkulturelle Bildung von Bezugspersonen, die in den ersten Lebensjahren den größten Einfluss auf deren Entwicklung haben. Familien und Erzieherinnen unterschiedlicher Herkünfte, Sprachen, Traditionen und Religionen stehen in ihrer Kooperation enormen Herausforderungen gegenüber. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund zeigen Verhaltensweisen, die mit unseren Wertmaßstäben inkompatibel scheinen.

Um Integration und harmonisches Zusammenleben in Stadtteilen mit kultureller Durchmischung zu fördern, startete die Bürgerstiftung das Pilotprojekt in ausgewählten Braunschweiger Kindertagesstätten, die überwiegend Kinder mit Migrationshintergrund betreuen. Die Ausgangssituation war in allen KiTas gleich: fehlende Elternbeteiligung an den Angeboten, keine Resonanz auf schriftliche Einladungen, mangelnder Kontakt, „falsches“ unkooperatives Verhalten von Eltern und Kindern. Seitens der Eltern gab es die Wahrnehmung des Gefühls, „falsch“ zu sein, die empfundene Erwartung, dass man sich zu verändern habe, das Gefühl, ausgeschlossen und „unwillkommen“zu sein und auch das Empfinden, dass die Kinder in der KiTa „falsches“, „merkwürdiges“, „inakzeptables“ Verhalten lernen.

Die Wahrnehmung der Erzieherinnen als übergeordnete Instanz verhinderte oft die eigene Initiative, fehlende sprachliche Kompetenz verhinderte eine Beteiligung. Ein weiterer Grund für viele Missverständnisse lag oft in unterschiedlicher Körpersprache, weswegen die Trainingsmodule darauf besonders eingingen.

Verena Kienzle, Projektleiterin der Bürgerstiftung Braunschweig, konnte viele Ziele erreichen: vor allem eine veränderte Wahrnehmung von Konfliktsituationen, die neue Einschätzung der Entwicklung einzelner Kinder oder von Gruppen von Kindern, von Reaktionen der Eltern bei Sprechtagen etc.; die Möglichkeit, auch Situationen im privaten Umfeld anders zu deuten, dadurch wurde auch das Erschließen neuer Freundeskreise und verbesserte Integration möglich. „Erzieherinnen können das Elternverhalten nun anders einschätzen als vor dem Training,“ berichtet Verena Kienzle, „besonders deutlich sind die Veränderungen bei Aspekten wie Essverhalten der Kinder, Zeitempfinden – Zuspätkommen beim Bringen der Kinder, Befangenheit und Passivität der Eltern aufgrund fehlender sprachlicher Kenntnisse und divergierender hierarchischer Vorstellungen.“

Großes Thema war der Umgang mit Sexualität und Aufklärung, wobei das deutsche Streben nach Klarheit und faktischer Umfassendheit nicht nur Zustimmung fand. Kienzle: „Besonders Bücher zur Sexualerziehung sind vielen Eltern zu direkt und zu detailliert.“

Verena Kienzle lud als Moderatorin zu Elterncafés ein und die Gespräche waren vielfältig, lösten einigen Unglauben und große Überraschung aus: Schnell wurde allen klar, dass die Ursache dessen, was als Kälte der deutschen Umgebung wahrgenommen wurde, in unserer individualistischen Struktur liegt und nicht in persönlicher Ablehnung. Diskutiert wurde zudem über Altenpflege und „Abschiebung“ in Heime und die Selbstständigkeit und das gefühlte Alleinlassen von sehr kleinen Kindern beim Anziehen oder bei kleineren Wegen, die ohne elterliche Begleitung stattfinden.

Verena Kienzle resümiert froh „alle haben große Schritte aufeinander zu gemacht.“

Dieses Projekt wird gefördert durch:

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